2. Gespräch: Kaffee und Kuchen bei Mar.

He venido yo corriendo olvidándome de ti
Dame un beso pajarillo y no te asustes colibrí
He venido encendida al desierto pa‘ quemar
Porque el alma prende fuego cuando deja de amar
Porque el alma prende fuego cuando deja de amar
Ahora si
He venido al desierto pa‘ reírme de tu amor
Que el desierto es más tierno y la espina besa mejor
He venido a ese centro de la nada pa‘ gritar
Que tú nunca mereciste lo que tanto quise dar

-Lhasa de Sela . El Desierto 

In Mojácar seit 40 Jahren.
Ursprünglich aus Brüssel, Belgien.

Mar und ich sitzen in der Sonne und trinken Kaffee. Wir sprechen über Corona und die Gender-Sprache. Ich nehme einen Schluck von meinem schon kalten Kaffee. Mar gießt mir nochmal nach. Ich danke, dann zücke ich mein rotes Notizbuch und blättere auf die Seite mit den Fragen. Es ist nicht nötig sie ihr noch einmal zu stellen. Sie kennt sie schon und antwortet mehr oder weniger direkt:
Ich hatte zwei klare Ziele: Ich wollte in den Süden und vom H. wegkommen.  
Wie es der Zufall so wollte, traf ich kurz darauf auf einem Markt in Brüssel einen alten Bekannten, der gerade auf der Durchreise war. Er befand sich auf dem Weg nach Andalusien, wo er einen alten Freund, irgendwo in einer kleinen Ortschaft in den Bergen Granadas besuchen wollte. Ich war sofort begeistert!
Ein paar Tage später saßen wir im Zug nach Madrid. Dort angekommen ging es mit dem Nachtbus weiter nach Granada, von wo es nicht mehr weit bis zu dem kleinen Bergdorf war, wo wir Aniq, seinen Kumpel, anzutreffen hofften.
Als wir endlich ankamen, war es schon dunkel und wir klopften einfach an der ersten Tür, die wir sahen. Uns machte eine große, blonde Frau mit deutschem Akzent auf. Natürlich kannte sie Aniq, leider war er aber gerade nicht da. Glücklicherweise wurde uns aber trotzdem eine kleine Bleibe für die kommenden Tage gefunden. Es tat gut, nach der anstrengenden Reise die Rücksäcke für eine Weile stehenzulassen!
Die Landschaft um uns herum war traumhaft und die Menschen, die dort in den Alpujarras (damals schon eine kleine Hippie- Enklave) hausten, waren alle sehr aufgeschlossen und nett. Trotzdem ging es mir in der Zeit nicht besonders gut, da ich auf der Reise meinen Entzug schon begonnen hatte und es mich weiter in den Süden zog. Auch mein Bekannter wollte weiter und so machten wir uns erneut auf den Weg.
Zurück am Busbahnhof in Granada erkundigten wir uns nach dem wärmsten Ort der Region und der war schnell gefunden: wir wurden wortwörtlich in die Wüste geschickt! Noch am selben Abend kam ich in Almería an. Leider stellte sich dieser Ort als eine recht ungemütliche und nicht besonders hübsche Kleinstadt heraus, in der wir ungern bleiben wollten.
Wir wiederholten unsere Strategie und fragten uns erneut durch („das schönste Dorf in der Nähe?), bis unser Ziel feststand: es hieß Mojácar.

Der Bus ließ uns an einer Kreuzung an der „Fuente“, der alten Quelle, raus. Ich holte gerade meinen Rucksack aus dem Kofferraum, da lief – mal wieder eines dieser Mysteriösen Zufälle- wie bestellt Aniq die Straße herunter und genau uns entgegen. Hier steckte er also!

Mit Aniqs Hilfe fand ich recht schnell ein Haus, das ich kostenlos bewohnen konnte und hielt mich für die kommende Zeit mit Kellnern, Gärtner und Teller waschen über Wasser.

Die ersten Monate verflogen ohne einen weiteren Plan. Ich war erstmal nur. Wollte ich bleiben? Vielleicht. Wusste ich damals schon, wie lange? Ich hätte es nie geglaubt!

Eines Morgens wachte ich schweißüberströmt in meinem Schlafsack auf. Sonne schien mir ins Gesicht. Draußen sangen die Vögel. Ich ging auf den Lichtüberfluteten Garten und legte mich splitterfasernackt ins Gras und schaute in den blauen Himmel. Ich war glücklich, ich war frei und ich war clean.

Es sollten noch viele Jahre vergehen, bis mir klar wurde, dass Mojácar, dieser „zufällig“ gefundene Ort, meine sogenannte Heimat werden sollte- auch wenn ich mich noch immer mit diesem Begriff schwertue.


4 Kommentare zu „2. Gespräch: Kaffee und Kuchen bei Mar.

  1. „Ich war glücklich, ich war frei, ich war clean!“ made my day! Darüber und das Wort „zufällig“ werde ich noch länger nachdenken. Was du doch für einen tollen Job da gerade hast. Neid! :-))) more coffee, plz!

    Gefällt 1 Person

    1. Danke Pascal! Ja… diese Zufälle sind schon seltsam 😉
      Ich bin auch wirklich dankbar, dass ich wöchentlich so tolle Geschichten zu hören bekomme und sie auch noch hier teilen darf!

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